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Kinder lernen über den Körper

Vor  4 Wochen kam ein Mädchen zusammen mit einem Rezept für Physiotherapie zu mir in die Praxis. Jana ist neun Jahre alt  und ihre Skoliose brachte uns beide nun zusammen. Der Arzt hat ihr gleich 20 Therapiestunden verordnet, zwei mal pro Woche, d.h. wir werden viel Zeit miteinander verbringen.

Nach den ersten Behandlungseinheiten wurde mir schnell klar, daß die Therapie weit mehr als nur die Haltungskorrektur der Wirbelsäule beinhalten muß. Jana ist ein temperamentvolles, aufgewecktes Mädchen, gierig nach ständig neuen Übungsaufträgen. Sie liebt es, im Spiel zu lernen.  Auffallend war die geringe Aufmerksamkeits-spanne, was eine korrekte Übungsausführung deutlich erschwerte.  Bei Koordinations- und Gleichgewichtsübungen hat sie auffallende Defizite.  Ihr mangelndes Selbstbewußtsein wird dadurch noch verstärkt. Ich bin gespannt was in der Therapie mit Jana möglich sein wird und werde in diesem Blog ab und zu mal berichten.

Im heutigen Computerzeitalter, in der auf Bäume klettern, Buden bauen, Gummitwist spielen und Seilspringen für uncool gehalten wird, sind Janas Defizite leider Gottes die Norm. Wen wundert es da, daß die schulischen Probleme immer gravierender werden. Ein Kind lernt erstmal über den Körper. Eigene Körpererfahrung stellt die Grundlage für motorische Entwicklungen da. Das überkreuzen der körperlichen Mittellinie ist immer wieder eine Kommunikation zwischen der rechten und linken Gehirnhälfte (beim Klettern unumgänglich). Die Fähigkeit des Zusammenspiels beider Gehirnhälften ist wiederum Bedingung für ein erfolgreiches Lernen.

So wird mir immer wieder bewußt, welche große Verantwortung ich bei der Therapie mit Kindern als Physiotherapeutin habe:  Kraftaufbau der schwachen Muskulatur und Haltungskorrektur der Wirbelsäule sind sehr wichtig. Gleichgewichtsübungen jeglicher Art, Koordinations-übungen mit Überkreuzen der  Mittellinie, multitaske Konzentrationaufgaben in Kombination mit Körperübungen, Bestärkung des Selbstwertgefühls und Motivation, ihre „Hausaufgaben zu machen“ runden eine gute Therapie ab. Eine ganzheitliche Förderung steht hier im Mittelpunkt, damit der Weg für die Entwicklung der Kinder gebahnt ist. Übung macht den Meister.

Für ihre Zukunft müssen die Kinder lernen, emotional und verantwortungsvoll mit den Mitmenschen umzugehen. Zuhören, verstehen, Mitgefühl empfinden und sich selber in der Mitte halten  kann sich nur aus einer gesunden Körperlichkeit entwickeln. Hieraus können Führungskräfte wachsen, die großes bewirken können.

Eine schöne Zukunftsvision.