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Der Besuch bei den Körperwelten

Vor zwei Wochen haben wir uns auf den Weg nach Bremen gemacht, um uns die Ausstellung „Körperwelten“ von Gunther von Hagens anzusehen. Mein älterer Sohn war bereits mit seinem Biokurs dort und sprühte vor Begeisterung!
Die Ausstellung läuft unter dem Motto “ Eine Herzenssache“ und so war das Herz mit seinem ach so komplizierten Gefäßsystem ein großer Schwerpunkt. Es sei kurz erläutert, dass in der Ausstellung ausschließlich Plastinate verwendet werden, d.h. zu Lebzeiten waren die Menschen damit einverstanden (hoffentlich), nach dem Tod ihren Körper für die anschauliche Anatomie zur Verfügung zu stellen. Mit Hilfe eines komplizierten Verfahrens wird dann der Leichnamen mit flüssigem Kunststoff plastiniert und in die entsprechende Pose gebracht. Das ganze dauert ungefähr ein Jahr.

Noch nie war ich so tief berührt von der Komplexität des Körpers. Selbst die beste Wissenssendung konnte mich  nicht so der Faszination Körper näher bringen, wie es diese Ausstellung getan hat. Organerkrankungen und Annormalien waren plötzlich nicht nur ein abstraktes Krankheitsbild aus dem Lehrbuch, sondern greifbar nah und verständlich. Öfter hatte ich die entsprechenden Patienten vor Augen und ich konnte mich nun ein klein wenig mehr in ihre Problematik hineinversetzten und nachfühlen.

 Begeistert hat mich der Körper schon immer, aber ich habe ganz deutlich gespürt, wie sich während des Besuchs der Ausstellung mein Körperbewußtsein geändert hat. Tiefer Respekt und Achtung vor der Genialität des Meisterwerkes „Körper“ durchströmte mich und in  Demut habe ich die Plastinate auf mich wirken lassen.  Das Verlangen, meinem Körper etwas Gutes tun zu müssen, bzw. ihm verantwortungsvoller gegenüber zu treten wuchs in mir – irgendwie war ich ihm plötzlich ganz nah. Vorsätze wie – du musst dich gesünder ernähren, treibe mehr Sport, lass dich nicht so stressen, organisiere ein anderes Zeitmenagement, ehre noch mehr deinen Körper usw. schwirrten in meinem Kopf herum und forderten mich wirklich zum nachdenken auf. Tote Materie hat mich auf geheimnisvolle Weise zum Leben erweckt, um mir dann meinen eigenen Körper auf wundersame Weise in seiner Vollkommenheit und Genialität näher zu bringen.
Zum ersten Mal war ich stolz zur Gattung Mensch zu gehören.

Ich glaube, dass Gunter von Hagens genau das wollte. Den Menschen seinen Körper näher zu bringen, ein neues Gesundheitsbewußtsein zu vermitteln  und Respekt und Verantwortung gegenüber dem eigenen Körper zu haben war sicherlich genau sein Ziel. Vielen Dank dafür.

Der Gedanke, irgendwann einmal selber als Plastinat in einer Ausstellung zu stehen fasziniert mich immer mehr. Vielleicht kann ich so über den Tod hinaus noch Menschen berühren und in ihnen etwas  bewegen. In meinem Leben ist der Körper ein Schlüsselthema. Tagtäglich arbeite ich mit ihm, strukturell und energetisch. Ihn nach meinem Tod zu einem Plastinat werden zu lassen ist vielleicht der konsequente Abschluß einer Lebensaufgabe.

Mich hat die Ausstellung zutiefst berührt und traf mich direkt ins Herz. Sie ist für mich  zu einer echten HERZENSSACHE geworden.